Was sich einem, an den Motivik von Gaumers Malerei ausgerichtetem, von Melancholie eingefärbtem Blick erschließen mag, ist also: ein letztes Aufleuchten eines Glücksversprechens, einer Hoffnung auf Zukunft aus der Vergangenheit, die in ihren Halt in der Gegenwart verliert, deren Verlust die Jetztzeit jedoch zutiefst bestimmt. Ein Blick, der die leuchtenden Nebel und lebendigen Texturen in den Bildern liebt, sieht aber auch noch etwas anderes: Auch wenn Zuversicht knapp wird, endet die Geschichte hier nicht. Eine Lust am Handeln schlägt im Malen durch. Und jede Handlung geht anders aus. Jedes Detail in der Malerei zeugt davon. Nach dem Glück des Bauens lässt mich Lego melancholisch werden. Das fertig gebaute Ding sieht immer exakt so aus auf wie im Foto auf der Packung. Das ist kein Unterschied, keine Differenz, kein Leben. Gaumers Malerei dagegen lebt von Differenz und macht sie spürbar. Jedes Bild, jeder Strich, jede Fläche hat sein und ihr Eigenleben. Die Dinge leben von ihren Unterschieden. Ohne feste Bauanleitung lässt Gaumer eine Welt Gestalt annehmen. Vieles in ihr ist im Verschwinden begriffen. Aber das Verschwinden selbst ist malerisches Ereignis, nicht erlittenes Schicksal, sondern Zeugnis von künstlerischem Handeln. Da ist Schmerz. Aber die Form seines Ausdrucks zeugt von Leben. Anstelle der ungefragten Zuversicht, dass sich alles schon fügt, sind hier Kräfte am Werk, die in der Tat Welt gestalten. Diese Kräfte sollte man vermutlich nicht mit Hoffnungen verwechseln. Vielleicht lässt sich aus ihnen kein Wahlversprechen ableiten. Aber tatsächlich passiert da etwas wesentlich. Welt nimmt weiterhin malerisch Gestalt an. Immer wieder anders und aufs Neue. Und das ist schon ein sehr klares Ja zur Fähigkeit, eine Zeitwende nicht bloß zu erleiden, sondern zu begreifen und, inmitten ihrer, künstlerisch handelnd Unterschiede zu machen. Vielleicht ist das, was Malerei dabei auslöst, was in ihr passiert, so etwas wie ein Glück ohne Versprechen.